IP66 steht in 19 von 45 Datenblättern, die wir auf robustbook.bitblade.io führen. Damit ist es die häufigste Schutzart bei den vollständig robusten Tablets und Notebooks. Die Angabe heißt: staubdicht und geschützt gegen starkes Strahlwasser. Untertauchen und Hochdruckreiniger sind damit nicht abgedeckt, und gerade diese beiden Fälle werden in der Praxis oft mit IP66 verwechselt. Dieser Beitrag legt die Prüfbedingungen hinter den beiden Ziffern offen, stellt sie dem Hochdruckreiniger und IP67 gegenüber und zeigt in einer Tabelle, worin sich fünf Geräte mit IP66 trotzdem unterscheiden. Wer zuerst nachlesen möchte, wie die Kennziffern aufgebaut sind, findet das im Überblick IP-Schutzklassen.
Hinter IP66 stehen zwei Prüfungen, die nichts miteinander zu tun haben. Die erste Ziffer betrifft feste Fremdkörper, die zweite Wasser. Beide sind in der IEC 60529 festgelegt, in Deutschland als DIN EN 60529.
Die 6 an erster Stelle ist die höchste Stufe: Das Gehäuse gilt als staubdicht, es darf also gar kein Staub eindringen. Nach der Beschreibung des Gehäuseherstellers ROLEC zur EN 60529 wird dafür mit einem Gemisch aus Talkumpuder und Luft geprüft, bei einem Unterdruck von höchstens 2 kPa im Gehäuse und über 8 Stunden. Die 6 an zweiter Stelle bedeutet: Wasser, das aus jeder Richtung als starker Strahl auf das Gehäuse gerichtet wird, darf keine schädliche Wirkung haben.
Die beiden Ziffern lassen sich nicht gegeneinander verrechnen. Wer „IP6X“ liest, weiß etwas über den Staubschutz und sonst nichts: Das X bedeutet, dass für diese Stelle keine Angabe gemacht wurde, nicht dass kein Schutz besteht.
Die Zahlen der zweiten Ziffer sind festgelegt. Die folgende Tabelle setzt die Stufe 6 neben die Stufe 5, damit die Größenordnung sichtbar wird:
| Prüfgröße | Ziffer 5 (Strahlwasser) | Ziffer 6 (starkes Strahlwasser) |
|---|---|---|
| Düsendurchmesser | 6,3 mm | 12,5 mm |
| Volumenstrom | 12,5 l/min | 100 l/min |
| Druck | 30 kPa | 100 kPa |
| Abstand zum Gehäuse | 3 m | 3 m |
| Dauer | 1 Minute je m², mindestens 3 Minuten | 1 Minute je m², mindestens 3 Minuten |
Für die Stufe 6 liefert die Düse also 100 Liter pro Minute bei 100 kPa, das ist 1 bar. Auf die Stunde gerechnet sind das 6000 Liter. Der Volumenstrom darf nach ROLEC um 5 Prozent abweichen. Der Strahl wird aus allen Richtungen auf das Gehäuse gerichtet. Bestanden ist die Prüfung, wenn kein schädliches Wasser eindringt.
Die Dauer hängt von der Gehäusefläche ab: 1 Minute je Quadratmeter, aber nie weniger als 3 Minuten. Bei Tablets und Notebooks gilt immer das Minimum, denn ihre Oberfläche liegt weit unter 3 m². Gegenüber Ziffer 5 ist das das Achtfache an Wasser pro Minute und gut das Dreifache an Druck. Wie sich IP65 und IP66 im Alltag unterscheiden, steht im Beitrag IP65 im Detail.
Der Name „starkes Strahlwasser“ verleitet zu dem Schluss, IP66 decke auch das Abspritzen mit dem Hochdruckreiniger ab. Die Zahlen sprechen dagegen. Die Prüfung arbeitet mit sehr viel Wasser bei niedrigem Druck. Ein Hochdruckreiniger arbeitet umgekehrt. Der Kärcher K 4 Classic nennt auf der Herstellerseite einen Druck von 20 bis maximal 130 bar und eine Fördermenge von 420 l/h, das sind 7 l/min.
Im Vergleich zur IP66-Prüfung hat der Reiniger also rund ein Vierzehntel des Volumenstroms und das 130-Fache des Drucks. Der Strahl ist dünner und steht unter weit höherem Druck. Das ist eine andere Belastung, und die Prüfung nach IP66 enthält sie nicht. Für Hochdruck und Dampfstrahl gibt es eine eigene Klasse, IP69K, die der Beitrag IP69K: Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung behandelt. Ein Gerät mit IP66 darf deshalb nur dann mit dem Hochdruckreiniger gereinigt werden, wenn der Hersteller das ausdrücklich freigibt.
Die Ziffernfolge legt nahe, dass 7 mehr bedeutet als 6. Über die 6 hinaus gilt das nicht. Die Wasserschutzstufen bauen ab der 7 nicht mehr aufeinander auf, weil eine andere Belastung geprüft wird: Bei IP67 liegt das Gehäuse 30 Minuten unter Wasser, mit dem tiefsten Punkt 1 m unter der Oberfläche. Ein Gerät mit IP67 gilt deshalb nicht automatisch als strahlwassergeprüft, und ein Gerät mit IP66 ist nicht für das Untertauchen geprüft.
Erfüllt ein Gerät beide Prüfungen, nennt das Datenblatt beide Angaben, getrennt durch einen Schrägstrich, etwa IPX5/IPX7. In unseren 45 Datenblättern führt kein Gerät IP66 und IP67 zugleich. IP67 tragen fünf Geräte: Getac ZX80, Getac ATEX EX80 sowie Fieldbook F57G2, N101 und N80G2. Die Untertauchprüfung erklärt der Beitrag IP67 im Detail.
Von den 45 Datenblättern weisen 19 die Schutzart IP66 aus: 10 von Getac, 7 von Durabook und 2 von RuggON. Das sind 14 Tablets, 4 Notebooks und die Bodenkontrollstation Durabook GC-R8. Die GC-R8 hat laut Herstellerdatenblatt kein eigenes Display, sie nutzt Display und Akku des angedockten Durabook R8. Zum Vergleich die Verteilung im Bestand: 19 Geräte mit IP66, 15 mit IP65, 5 mit IP67, 4 mit IP53, eines mit IP5X und das Smartphone Archos X67 5G mit IP68 und IP69K. Die Fieldbook-Geräte tragen IP65 oder IP67, keines IP66.
Bei Getac sind es die Tablets F110 G7, K120, UX10 und ZX10 G2, ihre Ex-Ausführungen F110-EX, K120-EX und UX10-EX sowie die Notebooks B360 G3, V120 und X600. Durabook liefert die Tablets R8, R10, R11, R11L und U11I, das Notebook Z14I und die GC-R8. Von RuggON stammen die VULCAN 10A und die VULCAN 10X.
Die Schutzart sagt wenig darüber, wie das Gerät sonst ausgelegt ist. Die Tabelle zeigt fünf Geräte mit IP66 und ihre Kerndaten. Die Werte stammen aus den Herstellerdatenblättern von Getac, Durabook und RuggON, die wir für unsere Datenblattseiten ausgewertet haben:
| Gerät | Display | Gewicht | Betriebstemperatur | Helligkeit | MIL-STD |
|---|---|---|---|---|---|
| Durabook R8 | 8,0 Zoll | 0,86 kg | -20 °C bis 60 °C | 800 Nits | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G |
| Getac UX10 | 10,1 Zoll | 1,15 kg (ohne Tastatur-Dock) | -29 °C bis 63 °C | 1000 Nits | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G |
| Getac UX10-EX | 10,1 Zoll | 1,15 kg | -21 °C bis 55 °C | 1000 Nits | MIL-STD-810H |
| Getac V120 | 12,2 Zoll | 2,1 kg | -29 °C bis 63 °C | 1000 Nits | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G |
| RuggON VULCAN 10A | 10,4 Zoll | 3,2 kg | -30 °C bis 60 °C | 1200 Nits | MIL-STD-810H |
Die Spanne beim Gewicht reicht in dieser Auswahl von 0,86 kg bis 3,2 kg, über alle 19 Datenblätter sogar bis 4,41 kg beim Getac X600. IP66 ändert daran nichts. Auch die untere Temperaturgrenze streut: von -30 °C bei den beiden VULCAN-Modellen bis -20 °C beim Durabook R8. Aufschlussreich ist das Paar UX10 und UX10-EX: Beide haben 10,1 Zoll, 1000 Nits und IP66. Die Ex-Ausführung arbeitet aber nur von -21 °C bis 55 °C statt von -29 °C bis 63 °C und führt MIL-STD-461G nicht auf. Wer ein Gerät für Kälte sucht, kann die Temperaturzeile deshalb nicht überspringen, auch wenn die Schutzart passt.
Die Prüfung nach IEC 60529 verwendet Frischwasser. Schutz gegen andere Flüssigkeiten wie Salzwasser, Öle oder Lösungsmittel ist durch die Angabe nicht garantiert. Außerdem bleibt vieles offen, was für den Einsatz zählt:
Für zwei Einsätze passt keines der 19 Geräte: das Arbeiten unter Wasser und die Reinigung mit Hochdruck oder Dampf. IP69K führt im Bestand nur das Smartphone Archos X67 5G, zusammen mit IP68. Unter den Tablets und Notebooks trägt es keines. Wer ein Tablet im Reinigungsbetrieb einsetzen will, sollte vorab klären, mit welchem Gerät und welchem Druck gereinigt wird, ob Reinigungsmittel im Spiel sind und ob die Anschlussklappen dabei geschlossen bleiben. Ob der Touchscreen bei nassem Display zuverlässig reagiert, ist eine eigene Frage, die die Schutzart nicht beantwortet.
Nicht im Sinn von untertauchbar. IP66 bedeutet Schutz gegen starkes Strahlwasser, geprüft mit 100 l/min bei 100 kPa. Wasserdicht im Sinn der Untertauchprüfung beginnt bei der zweiten Ziffer 7.
Nur mit ausdrücklicher Freigabe des Herstellers. Ein Hochdruckreiniger wie der Kärcher K 4 Classic arbeitet mit bis zu 130 bar, die IP66-Prüfung mit 1 bar. Für Hochdruck gibt es die Klasse IP69K.
Weder besser noch schlechter, die beiden prüfen Verschiedenes. IP66 deckt starken Strahl ab, IP67 das zeitweilige Untertauchen bis 1 m. Wer beides braucht, benötigt ein Gerät, das beide Angaben im Datenblatt führt.
Im Bestand sind es 14 Tablets und 4 Notebooks von Getac, Durabook und RuggON, dazu die Bodenkontrollstation Durabook GC-R8. Eine Auswahl mit Kerndaten steht in der Tabelle oben.
IP66 lohnt sich, wenn das Gerät mit Wasserschlauch, Strahl oder Starkregen in Berührung kommt und der Strahl auch die Anschlüsse und Fugen treffen kann. Dann sind 19 Geräte im Bestand eine passende Auswahl, vom 0,86 kg schweren Durabook R8 bis zum 4,41 kg schweren Getac X600. Wer vor allem Regen, Spritzwasser und Staub erwartet, kommt mit IP65 aus, das 15 Geräte tragen. Wer ein Gerät auch untertauchen muss, braucht IP67. Die Stoßfestigkeit steht davon getrennt unter MIL-STD. Wer mit Hochdruck oder Dampf reinigt, findet unter Tablets und Notebooks im Bestand kein Gerät mit IP69K.
Welches Gerät zu Ihrem Einsatz passt, klären wir gern mit Ihnen anhand der Datenblätter. Typische Anforderungen in Werkhallen beschreibt die Branchenseite Industrie.