IP69K steht in unseren Datenblättern genau einmal: beim Archos X67 5G, einem Smartphone, das Robustbook nicht mehr vertreibt. Unter den 45 dokumentierten Geräten trägt kein Tablet und kein Notebook diese Angabe. Dieser Beitrag erklärt trotzdem, was IP69K prüft, denn die Frage stellt sich überall dort, wo Geräte mit heißem Wasser und hohem Druck abgespritzt werden, etwa in Lebensmittelbetrieben und Waschhallen. Er nennt die Prüfwerte mit Quelle, setzt sie neben IP66 und IP67 und zeigt, welche Geräte im Bestand die nächstbeste Schutzart haben und warum diese für die Hochdruckreinigung nicht genügt. Wie die beiden Ziffern grundsätzlich aufgebaut sind, steht im Überblick IP-Schutzklassen.
Die Angabe IP69K gehört nicht zu IEC 60529, der Norm hinter DIN EN 60529 und den übrigen IP-Angaben. Die Prüfung stammt aus der Fahrzeugtechnik. Das Prüfblatt des Gehäuseherstellers ROLEC beschreibt sie nach DIN 40050-9 in der Fassung von 1993, ein Prüfbericht des TZO Leipzig vom Januar 2015 nach ISO 20653 in der Ausgabe von Februar 2013. Nach Wikipedia hat ISO 20653:2013 die DIN-Norm abgelöst. Die aktuelle Ausgabe ist ISO 20653:2023 vom August 2023; laut dem Normenhändler AFNOR ersetzt sie die Ausgabe von 2013 und gilt für die elektrische Ausrüstung von Straßenfahrzeugen.
Die IEC hat später nachgezogen. IEC 60529 kennt inzwischen eine Stufe IPX9, deren Wasserprüfung dem Versuch für IP69K im Wesentlichen entspricht. Das Prüflabor CertifiGroup sieht den einzigen Unterschied im Kalibrierverfahren. Ein Prüfbericht nach IPX9 und einer nach IP69K sind trotzdem zwei verschiedene Nachweise, und auf einem Datenblatt sollte stehen, welche Norm gemeint ist.
Zwei Grenzen unserer Quellen sollen offen stehen. Den Normtext haben wir nicht gelesen: ISO und IEC verkaufen ihn, und die ISO-Seite war nicht abrufbar. Die Prüfwerte unten stammen deshalb aus dem ROLEC-Blatt (DIN 40050-9:1993) und aus dem Prüfbericht (ISO 20653:2013-02). In allen Zahlen, die beide nennen, stimmen sie überein. Ob die Ausgabe 2023 etwas ändert, haben wir nicht geprüft.
Die Wasserprüfung der Stufe 9K arbeitet mit einem Flachstrahl aus kurzer Entfernung. Das Gehäuse steht auf einem Drehteller, und die Düse trifft es nacheinander aus vier Winkeln:
| Prüfgröße | Wert bei Stufe 9K |
|---|---|
| Wassertemperatur | 80 °C, Toleranz 5 °C |
| Wasserdruck | 8000 bis 10000 kPa (80 bis 100 bar) |
| Volumenstrom | 14 bis 16 l/min, Toleranz 5 Prozent |
| Düse | Flachstrahldüse |
| Abstand zum Gehäuse | 100 bis 150 mm |
| Strahlwinkel | 0°, 30°, 60° und 90° |
| Dauer | 30 s je Winkel |
| Drehteller | 5 Umdrehungen je Minute, Toleranz 1 |
| Bestanden | kein Wasser im Gehäuse sichtbar (Kriterium im Prüfbericht) |
Vier Winkel zu je 30 Sekunden ergeben 2 Minuten Spritzzeit. Bei 5 Umdrehungen je Minute braucht der Drehteller 12 Sekunden für einen Umlauf, sodass der Strahl jede Seite trifft. Zum Namen: „Dampfstrahl“ steht in der Kurzbeschreibung der Stufe 9K bei ROLEC, geprüft wird aber mit Wasser von 80 °C und nicht mit Dampf.
Die erste Ziffer 6 verlangt Staubdichtheit. Hier weichen zwei Quellen voneinander ab. Für DIN 40050-9 nennt ROLEC ein Prüfpulver aus Kalkpulver und Flugstaub zu gleichen Teilen, bei höchstens 2 kPa Unterdruck und 8 Stunden. Im Blatt zu IP66 nach EN 60529:2000 steht dagegen Talkumpuder bei gleichem Unterdruck und gleicher Dauer. Ob das ein Unterschied der Normen oder nur der Darstellung ist, lässt sich ohne den Normtext nicht entscheiden.
Die Strahlwasserprüfung für IP66 ist im Beitrag IP66 im Detail beschrieben. Hier genügt der Vergleich der Zahlen:
| Prüfgröße | IP66 | IP69K |
|---|---|---|
| Wasserdruck | 100 kPa (1 bar) | 8000 bis 10000 kPa (80 bis 100 bar) |
| Volumenstrom | 100 l/min | 14 bis 16 l/min |
| Abstand | 2,5 bis 3 m | 100 bis 150 mm |
| Wassertemperatur | im ROLEC-Blatt nicht genannt | 80 °C |
| Dauer | mindestens 3 Minuten | 2 Minuten (4 × 30 s) |
Der Druck der IP69K-Prüfung ist 80- bis 100-mal so hoch wie bei IP66. Der Volumenstrom beträgt nur ein Sechstel bis ein Siebtel, und der Abstand ist 20- bis 30-mal kleiner. Das ist ein dünner, heißer Strahl aus der Nähe statt einer großen Wassermenge aus der Ferne. Eine bestandene IP66-Prüfung belegt deshalb nicht, dass ein Gerät diesen Strahl übersteht.
IP67 prüft wieder etwas anderes: 30 Minuten Untertauchen in bis zu 1 m Tiefe, ohne Strahl. Der Beitrag IP67 im Detail erklärt den Versuch. Die Stufen bauen nicht aufeinander auf. Nach CertifiGroup folgt aus einem bestandenen IPX9 auch kein IPX7 oder IPX8, die Untertauchprüfung bleibt eigene Pflicht. Das Archos-Datenblatt nennt deshalb IP68 und IP69K nebeneinander. Wie Hersteller die Tiefe bei IP68 festlegen, steht in IP68 im Detail.
Die Prüfung verwendet Wasser. Reinigungsmittel kommen darin nicht vor, und Wikipedia hält fest, dass IP-Prüfungen mit Frischwasser laufen und für andere Flüssigkeiten nichts zugesichert ist. In der Fleischverarbeitung setzt ein Betrieb laut Kärcher Reinigungsmittel im Wechsel ein und desinfiziert danach alle Flächen mit Lebensmittelkontakt. Welche Mittel in welcher Konzentration Gehäuse und Dichtungen vertragen, muss der Gerätehersteller angeben.
Auch Druck und Temperatur im Betrieb können über der Prüfung liegen. Der Kärcher K 4 Classic arbeitet laut Herstellerseite mit 20 bis 130 bar, fördert 420 l/h (7 l/min) und verträgt Zulaufwasser bis 40 °C. Er liegt beim Druck über der Prüfung, bei Wassermenge und Temperatur darunter. Heißwasser-Hochdruckreiniger aus dem Kärcher-Katalog „Reinigung in der Landwirtschaft“ erreichen je nach Modell Arbeitsdrücke bis 210 bar und bei 12 °C Zulauf Temperaturen von 80 bis 155 °C. Für Werte jenseits von 80 °C und 100 bar enthält IP69K keinen Nachweis.
Dazu kommt die Zeit. Der Versuch dauert 2 Minuten, ein Betrieb reinigt aber täglich über Jahre. Das Archos-Datenblatt schreibt, die Beständigkeit sei nicht dauerhaft und könne durch normalen Verschleiß abnehmen. Fabrico nennt in einem Fachbeitrag zu IP69K Dichtungen und Anschlüsse als häufigste Leckstellen, ein Gerät sei so dicht wie sein schwächster Übergang.
Kärcher beschreibt für die Fleischverarbeitung Nieder- und Mitteldruck mit hoher Schwemmleistung, damit Keime nicht über Aerosole verteilt werden. Hochdruckreiniger, beheizt oder unbeheizt, nennt die Seite für die Lebensmittelproduktion ausdrücklich. Der Reinigungsplan des Betriebs entscheidet also darüber, welche Belastung ein Gerät sieht, nicht die Branche. Eine eigene Branchenseite für Lebensmittelbetriebe gibt es bei uns nicht. Die Anforderungen an Werkhallen beschreibt die Seite Industrie.
Der Kärcher-Katalog für die Landwirtschaft sieht im Stall nach dem Einweichen eine Hochdruckreinigung vor, am besten mit Heißwasser, für Böden, Einrichtung, Wände und Decken. Wer dort ein Tablet nutzt, sollte es aus dieser Reinigung heraushalten. Ein Gerät mit IP66 ist für diesen Strahl nicht geprüft. Für diesen Bereich gibt es die Branchenseite Forst- und Landwirtschaft.
ISO 20653 gilt für die elektrische Ausrüstung von Straßenfahrzeugen, und die Stufe 9K steht für die Reinigung mit Hochdruck- oder Dampfstrahl. Ein Tablet, das ein Mitarbeiter in der Waschhalle trägt oder an die Wand hängt, ist keine Fahrzeugausrüstung. Der Strahl kann es trotzdem treffen. Zu klären ist, ob er das Gerät direkt erreicht oder nur Spritzwasser davon abkommt. Die passenden Branchenseiten sind Autohaus und Transport.
Das Archos X67 5G ist das einzige der 45 dokumentierten Geräte mit IP69K, daneben trägt es IP68. Seine Seite Archos X67 5G bleibt als Dokumentation der Herstellerangaben bestehen, Robustbook vertreibt das Gerät nicht mehr. Das Archos-Dokument vom 07.01.2021 ist eine Pressemitteilung mit eingebettetem Datenblatt. Es nennt IP69K, aber keine Prüfwerte dazu. Die Fußnote beschreibt nur IP68: 1,5 m Tiefe, bis zu 30 Minuten, nach IEC 60529.
Bei den Geräten, die wir führen, ist IP66 die nächstbeste Schutzart. Sie steht in 19 Datenblättern, IP67 in fünf, davon eines (Fieldbook F57G2) nicht mehr im Vertrieb. Die Tabelle zeigt das Archos-Gerät zum Vergleich und fünf Geräte mit IP66 oder IP67. Die Werte stammen aus den Kerndatentabellen der Datenblätter:
| Gerät | Schutzart | Display | Gewicht | Betriebstemperatur |
|---|---|---|---|---|
| Archos X67 5G (nicht mehr im Vertrieb) | IP68, IP69K | 6,67 Zoll | 380 g | nicht angegeben |
| Durabook R8 | IP66 | 8,0 Zoll | 0,86 kg | -20 °C bis 60 °C |
| Getac UX10 | IP66 | 10,1 Zoll | 1,15 kg (ohne Tastatur-Dock) | -29 °C bis 63 °C |
| Getac V120 | IP66 | 12,2 Zoll | 2,1 kg | -29 °C bis 63 °C |
| RuggON VULCAN 10A | IP66 | 10,4 Zoll | 3,2 kg | -30 °C bis 60 °C |
| Fieldbook N80G2 | IP67 | 8 Zoll | 600 g | -20 °C bis +60 °C |
Warum das für die Hochdruckreinigung nicht genügt, folgt aus den Zahlen weiter oben. IP66 prüft mit 100 kPa, einem Achtzigstel bis Hundertstel des Prüfdrucks von IP69K, und das ROLEC-Blatt zu IP66 nennt keine Wassertemperatur. IP67 prüft ruhendes Wasser. Die Geräte mit IP66 sind gegen starkes Strahlwasser geprüft. Dass sie Wasser von 80 °C bei 80 bar aus 10 cm Abstand aushalten, ist damit nicht belegt.
Auch die Hersteller geben keine Freigabe. Wir haben alle 93 Hersteller-PDFs im Repo (deutsch, englisch, französisch) nach „Hochdruck“, „high pressure“, „haute pression“, „Dampf“, „steam“, „IPX9“ und „69K“ durchsucht. Treffer gab es nur im Archos-Dokument. Das Getac ATEX EX80 hat kein Herstellerdatenblatt, für dieses Gerät fehlt der Beleg also ganz.
Nein. In den 45 Datenblättern führt nur das Archos X67 5G IP69K, ein Smartphone, das nicht mehr im Vertrieb ist.
Das ist nicht geprüft. Der Versuch läuft mit Wasser von 80 °C und einer Toleranz von 5 °C. Dampf und Wasser über 80 °C kommen darin nicht vor.
Nein. Die Stufen sind nicht kumulativ. Wer Strahl und Untertauchen braucht, braucht beide Angaben im Datenblatt, wie sie das Archos X67 5G mit IP68 und IP69K nennt.
Die Wasserprüfung ist im Wesentlichen gleich, die Norm nicht. IP69K gehört zu DIN 40050-9 und ISO 20653, IPX9 zu IEC 60529. Prüfen Sie im Prüfbericht, welche Norm genannt ist.
IP69K braucht, wer ein Gerät in den Strahl von heißem Wasser mit 80 bis 100 bar aus kurzer Entfernung stellt. Für diesen Einsatz gibt es unter unseren Tablets und Notebooks keine Lösung. Das einzige Gerät mit der Angabe, das Archos X67 5G, ist ein Smartphone und nicht mehr im Vertrieb. Wer das Gerät aus dem Strahl heraushalten kann, etwa weil es vor der Reinigung abgenommen wird, kommt mit IP66 aus. Dann stehen 19 Geräte zur Auswahl, vom Durabook R8 bis zum Getac X600. Wer nur Spritzwasser und den Wasserschlauch erwartet, findet im Beitrag IP66 im Detail die Grenzen.
Vor einer Anfrage sollten Sie fünf Punkte klären:
Mit diesen Angaben lässt sich beim Hersteller prüfen, ob ein Nachweis existiert. Bei Fragen zur Auswahl hilft Ihnen das RobustBook-Team.