IPX7 liest sich schnell als „wasserdicht und staubgeschützt“. Die Angabe sagt aber nur etwas über Wasser. Die 7 betrifft das zeitweilige Untertauchen, und das X an erster Stelle heißt, dass für Staub keine Stufe vergeben wurde. Dieser Beitrag erklärt, was das X nach der Norm IEC 60529 bedeutet, was IPX7 und IPX8 prüfen und warum aus der Angabe nichts über Staub folgt. Dazu kommt eine Tabelle mit den Schutzangaben von fünf Geräten aus unseren Datenblättern. Wie die Kennziffern aufgebaut sind, steht im Überblick IP-Schutzklassen. Hier geht es um die Frage, was fehlt, wenn eine Ziffer fehlt.
Der IP-Code besteht aus den Buchstaben IP und zwei Kennziffern. Die erste Ziffer betrifft Berührung, Fremdkörper und Staub, die zweite betrifft Wasser. Festgelegt ist das in der IEC 60529, in Deutschland als DIN EN 60529 gültig. Steht an einer Stelle ein X, wurde für diese Stelle keine Schutzstufe vergeben. Wikipedia fasst es so zusammen: Die Ziffer wird durch X ersetzt, wenn nicht genug Daten vorliegen, um eine Stufe zuzuweisen.
IPX7 heißt damit: erste Stelle ohne Angabe, zweite Stelle 7. Das Gegenstück ist IP5X: erste Stelle 5, zweite Stelle ohne Angabe. Diese Schreibweise führt im Bestand das Durabook S15AB. Die Tabelle weiter unten zeigt, was das für die Aussage des Datenblatts heißt.
Zwei Lesarten liegen nahe, und beide sind falsch. Die eine lautet: IPX7 heißt, das Gerät hat keinen Staubschutz. Die andere lautet: IPX7 heißt, das Gerät ist ohnehin staubgeschützt. Der Hersteller Jabra schreibt dazu in einem Beitrag vom 25.10.2023, das X sei nicht dasselbe wie eine 0. Es bedeute, dass der Hersteller das Produkt nicht gezielt auf den Schutz vor festen Fremdkörpern geprüft hat.
Die 0 steht in der Tabelle der Norm für „kein Schutz“. Das X steht für etwas anderes, nämlich für eine Stelle, die nicht bewertet wurde. Ein Gerät mit IPX7 kann also dicht sein oder nicht. Die Angabe belegt es nicht, und bei der Kaufentscheidung ist der Staubschutz deshalb unbekannt.
Bei einem Gerät mit X lohnt deshalb die Rückfrage an den Hersteller: Wurde die Stelle geprüft, mit welchem Ergebnis, und liegt ein Prüfbericht vor? Ohne diese Auskunft gilt die Stelle als offen.
Die 7 bedeutet Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Nach Wikipedia dauert die Prüfung 30 Minuten. Dabei liegt der tiefste Punkt des Gehäuses 1000 mm unter der Wasseroberfläche oder der höchste Punkt 150 mm darunter, je nachdem, was tiefer ist. Bestanden ist sie, wenn kein schädliches Wasser eindringt. Geprüft wird mit Frischwasser. Schutz gegen Salzwasser und andere Flüssigkeiten ist damit nicht zugesichert. Die Einzelheiten dazu stehen in IP67 im Detail.
Die 8 steht für dauerndes Untertauchen, und hier legt die Norm keine feste Prüfung fest. Nach Wikipedia bestimmt der Hersteller die Tiefe, die Dauer wird mit ihm vereinbart. Beide sollen über den Werten von IPX7 liegen, als übliche Obergrenze nennt Wikipedia bis zu 3 m. Daraus folgt: IPX8 ohne Angabe von Tiefe und Dauer ist unvollständig. Zwei Geräte mit IPX8 sind erst vergleichbar, wenn beide Werte danebenstehen. Der Beitrag IP68 im Detail behandelt diesen Punkt ausführlich.
Wasser und Staub werden getrennt geprüft, mit getrenntem Aufbau. Für die Staubprüfung der Ziffer 6 verwendet man nach der Beschreibung des Gehäuseherstellers ROLEC ein Gemisch aus Talkumpuder und Luft, im Gehäuse herrscht ein Unterdruck von höchstens 2 kPa, die Prüfung läuft 8 Stunden. Die Wasserprüfung der Ziffer 7 findet in einem Becken statt. Wer nur im Becken geprüft hat, hat zum Staub nichts gemessen.
Das Gerät kann trotzdem staubdicht sein. Die Angabe belegt es nur nicht, und ein Datenblatt oder eine Ausschreibung kann sich auf etwas Unbelegtes nicht stützen. Das spielt eine Rolle, sobald Staub zum Einsatz gehört: in der Werkstatt, im Lager, auf der Baustelle oder in Forst und Landwirtschaft. Dort wäre die erste Ziffer 5 oder 6 die Angabe, nach der man sucht.
Den Unterschied zu IP67 und IP68 braucht man hier nur in einem Satz. Die zweite Stelle ist bei IPX7 und IP67 dieselbe Wasserprüfung. IP67 sagt zusätzlich, dass die Staubprüfung mit der höchsten Stufe bestanden wurde. IPX7 sagt dazu nichts.
Auch die Wasserseite hat eine Lücke. Die Stufen der zweiten Ziffer sind über 6 hinaus nicht kumulativ. Ein Gerät mit IPX7 ist deshalb nach Wikipedia nicht zwingend auch nach IPX5 oder IPX6 geprüft, also nicht gegen Strahlwasser. Wer beides erfüllt, führt beide Angaben mit einem Schrägstrich, etwa IPX5/IPX7. Was die Strahlwasserprüfung verlangt, zeigt der Beitrag IP66 im Detail.
Die folgende Tabelle setzt die fünf Schreibweisen nebeneinander, die in diesem Beitrag vorkommen:
| Angabe | Staub | Wasser | Bleibt offen |
|---|---|---|---|
| IPX7 | keine Angabe | zeitweiliges Untertauchen | Staub, Strahlwasser |
| IPX8 | keine Angabe | dauerndes Untertauchen | Staub, Strahlwasser, Tiefe und Dauer, falls nicht genannt |
| IP5X | geschützt vor Staub in schädigender Menge | keine Angabe | Wasser jeder Art |
| IP67 | staubdicht | zeitweiliges Untertauchen | Strahlwasser, dauerndes Untertauchen |
| IP68 | staubdicht | dauerndes Untertauchen | Tiefe und Dauer, falls nicht genannt |
Für eine vollständige Angabe müssen deshalb drei Dinge zusammenkommen:
Von den 45 Datenblättern, die wir auf robustbook.bitblade.io führen, nennt keines IPX7 oder IPX8. Ein Datenblatt führt ein X, und zwar an zweiter Stelle: IP5X beim Durabook S15AB. Die übrigen 44 geben beide Ziffern an. Die folgende Tabelle zeigt fünf davon, wie sie in der Zeile „IP-Schutzart“ stehen, und was jede Ziffer besagt:
| Gerät | Display | Schutzangabe | Erste Ziffer (Staub) | Zweite Ziffer (Wasser) |
|---|---|---|---|---|
| Durabook S15AB | 15,6 Zoll | IP5X | 5: geschützt vor Staub in schädigender Menge | X: keine Angabe |
| Durabook S14I | 14,0 Zoll | IP53 | 5: geschützt vor Staub in schädigender Menge | 3: Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte |
| Fieldbook F57G2 | 5,7 Zoll | IP67 | 6: staubdicht | 7: zeitweiliges Untertauchen |
| Getac ZX80 | 8 Zoll | IP67 | 6: staubdicht | 7: zeitweiliges Untertauchen |
| Archos X67 5G | 6,67 Zoll | IP68, IP69K | 6: staubdicht | 8: dauerndes Untertauchen; 9K: Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung |
Das Durabook S15AB ist das Spiegelbild von IPX7: Es sagt etwas über Staub und nichts über Wasser. Ob es Wasser verträgt, geht aus der Zeile nicht hervor, und aus ihr allein darf man weder auf Schutz noch auf fehlenden Schutz schließen. Beim Archos X67 5G nennt die Kerndatentabelle keine Tiefe und keine Dauer für IP68. Für einen Vergleich mit anderen IP68-Angaben fehlt damit ein Wert. Unter den Notebooks im Bestand trägt keines eine Schutzart mit 7 oder 8 an zweiter Stelle, die Untertauchschutz-Geräte sind Tablets und das Smartphone.
Nein. Die Wasserprüfung ist dieselbe, aber IP67 enthält zusätzlich die Staubprüfung mit dem Ergebnis „staubdicht“. Bei IPX7 gibt es dazu keine Angabe.
Das ist nicht belegt. Der Hersteller hat für den Staubschutz keine Stufe angegeben. Wer das Gerät in staubiger Umgebung einsetzen will, sollte beim Hersteller nach der ersten Ziffer fragen.
Das ist nicht zugesichert. IPX7 ist keine Strahlwasserprüfung, und die Stufen 5 und 6 sind in der 7 nicht enthalten. Erst eine Angabe wie IPX5/IPX7 deckt beide Fälle ab.
Beim Untertauchen ja, denn Tiefe und Dauer sollen über den Werten von IPX7 liegen. Wie weit darüber, legt der Hersteller fest. Ohne diese beiden Werte ist die Angabe unvollständig.
Die erste Ziffer 5 heißt: geschützt vor Staub in schädigender Menge. Das X an zweiter Stelle heißt, dass für Wasser keine Angabe gemacht wird. Im Bestand trägt das Durabook S15AB diese Angabe.
IPX7 genügt für eine einzige Frage: Übersteht das Gerät kurzes Untertauchen? Wo Staub keine Rolle spielt, ist das eine brauchbare Antwort. Wer ein Gerät für Werkstatt, Lager, Baustelle oder Außeneinsatz auswählt, sollte nur Angaben gelten lassen, die die erste Ziffer nennen.
Aus unserem Bestand passen für Untertauchen bei staubdichtem Gehäuse das Fieldbook F57G2 und das Getac ZX80 (beide IP67) sowie das Archos X67 5G (IP68). Eine zweite Ziffer 5 oder 6 für Strahlwasser führt keines der drei, das Archos hat dafür IP69K, und kein Gerät im Bestand führt IP66 und IP67 zugleich. Wer Untertauchen und Strahlwasser belegt haben will, findet unter den 45 Datenblättern kein Gerät mit beiden Angaben und sollte vorab klären, ob der Hersteller des gewünschten Geräts einen Prüfbericht zu beiden Prüfungen vorlegen kann. Für Notebooks mit Untertauchschutz passt keines der Geräte. Das Durabook S15AB sollte man nur wählen, wenn Wasser im Einsatz keine Rolle spielt, denn seine Angabe lässt das offen.
Welche Angabe für Ihren Einsatz ausreicht, klären wir gern mit Ihnen anhand der Datenblätter.