Auf dem Typenschild eines Ex-Tablets steht eine Zeile wie «Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc». Sie sieht aus wie ein Code und ist einer: Jedes Zeichen beantwortet eine eigene Frage, und zusammen legen sie fest, unter welchen Bedingungen das Gerät in einer explosionsfähigen Atmosphäre betrieben werden darf. Dieser Beitrag löst die Gaszeile des Getac UX10-EX, des F110-EX und des K120-EX auf, danach die Staubzeile. Was die Zonen sind und welche Ex-Geräte wir führen, steht im Beitrag ATEX und Ex-Schutz. Wie sich ATEX zu IECEx und zu Class/Division verhält, zeigt der Beitrag IECEx, ATEX und Class I Division 2. Beides wiederholen wir nicht. Die Bedeutung der Zeichen haben wir aus der Richtlinie 2014/34/EU, aus einem Informationsplakat des französischen Instituts INERIS (Dezember 2025) und aus Seiten der Prüfstelle NSW TestSafe belegt, abgerufen am 20. Oktober 2026.
Das Herstellerdatenblatt des Getac UX10-EX nennt zwei Zeilen: «Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc» für Gas und «Ex II 3D Ex ic op is IIIC T130°C Dc» für Staub. Beide sind gleich aufgebaut. Der erste Teil bis zum Buchstaben G oder D kommt aus der EU-Richtlinie. Der zweite Teil stammt aus der Normenreihe IEC 60079 und beschreibt, wie das Gerät gebaut ist. Die Tabelle zerlegt die Gaszeile.
| Zeichen | Bedeutung | Regelwerk |
|---|---|---|
| Ex (Symbol) | spezielles Explosionsschutzkennzeichen | Richtlinie 2014/34/EU, Anhang II Nr. 1.0.5 |
| II | Gerätegruppe: alle Bereiche außer untertägigem Bergbau | Richtlinie, Anhang I |
| 3 | Gerätekategorie 3: Normalmaß an Sicherheit, Zone 2 beziehungsweise 22 | Richtlinie, Anhang I |
| G | Gas, Dampf, Nebel (D steht für Staub) | Richtlinie, Anhang II Nr. 1.0.5 |
| Ex | Beginn der normativen Kennzeichnung | IEC 60079 |
| ic | Zündschutzart Eigensicherheit, Stufe c | IEC 60079-11 |
| op is | Zündschutzart inhärent sichere optische Strahlung | IEC 60079-28 |
| IIC | Explosionsgruppe: Gase mit der kleinsten Zündenergie | IEC 60079 |
| T4 | Temperaturklasse: höchstens 135 °C Oberflächentemperatur | IEC 60079 |
| Gc | Geräteschutzniveau «enhanced», entspricht Zone 2 | IEC 60079-0 |
Nach Anhang II Nr. 1.0.5 der Richtlinie 2014/34/EU steht auf jedem Gerät das Explosionsschutzkennzeichen, gefolgt vom Kennzeichen für Gruppe und Kategorie. Bei Gruppe II kommt der Buchstabe G für Gas, Dampf und Nebel hinzu, der Buchstabe D für Staub, oder beide. Gruppe I ist der Bergbau unter Tage mit den Kategorien M1 und M2. Gruppe II umfasst alle übrigen Bereiche mit den Kategorien 1, 2 und 3.
Die Kategorie sagt, wie viel Sicherheit das Gerät bieten muss. Kategorie 1 verlangt nach Anhang I ein sehr hohes Maß, auch bei zwei unabhängigen Fehlern, und ist für Bereiche gedacht, in denen die Atmosphäre ständig, langzeitig oder häufig vorhanden ist. Kategorie 2 verlangt ein hohes Maß für Bereiche, in denen sie gelegentlich auftritt. Kategorie 3 verlangt ein Normalmaß an Sicherheit für Bereiche, in denen nicht damit zu rechnen ist, dass eine explosionsfähige Atmosphäre auftritt, und wenn doch, dann aller Wahrscheinlichkeit nach nur selten und kurz. Für Gas legt Anhang II Nr. 2.3.1.1 fest, dass bei Kategorie 3 Zündquellen vermieden werden, die im normalen Betrieb auftreten können.
Das INERIS-Plakat ordnet die Kategorien den Zonen der Richtlinie 1999/92/EG zu: 1G gehört zu Zone 0, 2G zu Zone 1, 3G zu Zone 2, bei Staub 1D zu Zone 20, 2D zu Zone 21, 3D zu Zone 22. Unsere vier Geräte mit vollständiger Kennzeichnung tragen deshalb Kategorie 3 und sind für Zone 2/22 ausgewiesen. Ein Detail betrifft den Nachweis: Bei Kategorie 3 genügt dem Hersteller nach Artikel 13 der Richtlinie die interne Fertigungskontrolle. Bei Kategorie 1 und 2 kommt nach dem Plakat eine EU-Baumusterprüfung hinzu. Wenn das Datenblatt auch IECEx nennt, können Sie das Zertifikat im Online-System von IECEx nachschlagen.
Die Zündschutzart beschreibt, mit welcher Bauweise das Gerät verhindert, selbst zur Zündquelle zu werden. Das kleine i steht für Eigensicherheit nach IEC 60079-11. NSW TestSafe nennt drei Stufen. Bei ia darf das Gerät im Normalbetrieb keine Zündung auslösen, auch wenn zwei zählbare Fehler hinzukommen. Bei ib gilt das mit einem zählbaren Fehler. Bei ic gilt es für den Normalbetrieb. Die Reihe ia, ib, ic deckt laut INERIS die Zonen 0, 1 und 2 ab. Das c steht also am unteren Ende, so wie Gc am unteren Ende der Schutzniveaus.
Danach folgt «op is». Das Kürzel gehört zu IEC 60079-28 und bedeutet laut NSW TestSafe, dass die abgestrahlte sichtbare oder infrarote Strahlung nicht genug Energie hat, um die Atmosphäre zu entzünden. Die gemessene Leistung darf die Grenze der Norm nicht überschreiten. Zwei verwandte Kürzel, «op pr» und «op sh», schließen die Strahlung in einer Faser oder einem anderen Medium ein beziehungsweise senken sie über eine Abschaltung auf ungefährliche Werte. Zwei Zündschutzarten hintereinander heißen, dass beide für das Gerät gelten. Welche Lichtquellen Getac damit meint, nennt das Datenblatt nicht. Wer einen Barcodeleser oder einen Blitz im Ex-Bereich nutzen will, fragt das für die gewählte Konfiguration ab.
Die Gasgruppen unterscheiden sich nach dem Bezugsgas. Laut INERIS gehört zu IIA Propan mit einer Grenzspaltweite von 0,92 mm und einer Mindestzündenergie von 0,25 mJ, zu IIB Ethylen mit 0,65 mm und 0,07 mJ, zu IIC Wasserstoff und Acetylen mit 0,37 mm und 0,017 mJ. IIC hat die kleinsten Werte und ist damit die Gruppe der am leichtesten entzündbaren Gase. Bei Staub nennt INERIS drei Gruppen: IIIA brennbare Flusen über 500 µm, IIIB nicht leitfähigen Staub und IIIC leitfähigen Staub mit einem spezifischen Widerstand bis 1 kΩ·m. NSW TestSafe führt als typischen Ort für IIIC die Leichtmetallbearbeitung auf, für IIIB unter anderem Zuckerfabriken und Getreidelager.
Bei Gas steht eine Temperaturklasse. Nach dem INERIS-Plakat sind es T1 mit 450 °C, T2 mit 300 °C, T3 mit 200 °C, T4 mit 135 °C, T5 mit 100 °C und T6 mit 85 °C als höchste Oberflächentemperatur. Ein T4-Gerät wird also nicht heißer als 135 °C. Das Plakat nennt Diethylether mit einer Zündtemperatur von 175 °C, der in T4 fällt, und Schwefelkohlenstoff mit 90 °C, der in T6 fällt. Das Gerät liegt damit unter der Zündtemperatur des Ethers, aber über der des Schwefelkohlenstoffs. Diese Rechnung ist unsere, nicht die des Plakats. Eine T4-Kennzeichnung ist also keine Freigabe für jedes Gas der Gruppe IIC.
Bei Staub steht keine Klasse, sondern die Temperatur selbst: «T130°C». Nach dem Plakat muss sie unter der Zündtemperatur der 5-mm-Schicht minus 75 K liegen und unter zwei Dritteln der Zündtemperatur der Staubwolke. Für Weizenstaub (37 µm) nennt das Plakat 300 °C für die Schicht und 510 °C für die Wolke. Das ergibt Grenzen von 225 °C und 340 °C, und 130 °C liegt darunter. Auch das ist unsere Rechnung mit den Werten des Plakats.
Das Geräteschutzniveau (EPL) kommt aus IEC 60079-0 und gibt es für Gas als Ga, Gb und Gc, für Staub als Da, Db und Dc, für den Bergbau als Ma und Mb. Nach NSW TestSafe ist Ga «very high», Gb «high» und Gc «enhanced», bei Staub entsprechend Da, Db und Dc. Dc heißt: keine Zündung im Normalbetrieb. Das Plakat ordnet Ga der Zone 0 zu, Gb der Zone 1, Gc der Zone 2 und Da, Db, Dc den Zonen 20, 21 und 22. Kategorie und Schutzniveau sagen damit dasselbe in zwei Regelwerken: 3G ist Gc, 3D ist Dc. Deshalb stehen beide in der Zeile.
Die Tabelle stammt aus den Datenblättern auf robustbook.bitblade.io. Die Kennzeichnung steht dort wörtlich nach dem Herstellerdatenblatt. Beim EX80 und beim T800 EX ATEX nennen die Unterlagen nur die Zone. Dort lösen wir deshalb nichts auf, sondern übertragen die Zone nach dem INERIS-Plakat.
| Gerät | Zone laut Datenblatt | Gas | Staub | Aufgelöst |
|---|---|---|---|---|
| Getac ATEX EX80 | ATEX/IECEx Zone 0/20 | nicht genannt | nicht genannt | Zone 0/20 entspricht Kategorie 1G/1D, Ga/Da; Zündschutzart, Gruppe und Temperatur unbelegt |
| Getac T800 EX ATEX | ATEX Zone 2/22 | nicht genannt | nicht genannt | Zone 2/22 entspricht Kategorie 3G/3D, Gc/Dc; Rest unbelegt |
| Getac F110-EX | ATEX/IECEx Zone 2/22 | Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc | Ex II 3D Ex ic op is IIIC T130°C Dc | vollständig wie oben |
| Getac K120-EX | ATEX/IECEx Zone 2/22 | Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc | Ex II 3D Ex ic op is IIIC T130°C Dc | vollständig wie oben |
| Getac UX10-EX | ATEX/IECEx Zone 2/22 | Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc | Ex II 3D Ex ic op is IIIC T130°C Dc | vollständig wie oben |
| Getac ZX80-EX | ATEX/IECEx Zone 2/22 | Ex II 3G Ex ic op is IIC T4 Gc | Ex II 3D Ex ic op is IIIC T130°C Dc | vollständig wie oben |
Die vier vollständig gekennzeichneten Geräte tragen dieselben zwei Zeilen. Die Kennzeichnung unterscheidet sie also nicht. Sie unterscheiden sich durch Display (11,6, 12,5, 10,1 und 8 Zoll) und Betriebstemperatur laut Datenblatt, beim F110-EX −21 °C bis 60 °C, beim K120-EX −21 °C bis 55 °C, beim UX10-EX −21 °C bis 55 °C und beim ZX80-EX −21 °C bis 55 °C. Die neue Generation des UX10-EX behält laut dem Beitrag Getac UX10-EX der neuen Generation dieselbe Kennzeichnung.
Zum Vergleich trägt das Durabook U11I-EX laut Produktseite «Ex II 3G Ex ic IIC T4 Gc» und «Ex II 3D Ex ic IIIB T135°C Dc». Es fehlt «op is». Beim Staub steht IIIB statt IIIC, und die Temperatur beträgt 135 °C statt 130 °C. Nach der Einteilung von NSW TestSafe deckt IIIB nicht leitfähigen Staub, IIIC dagegen auch leitfähigen, etwa Metallstaub. Wer in einer Umgebung mit Metallstaub arbeitet, liest deshalb die Gruppe in der Staubzeile zuerst. Einen Grund für den Unterschied nennt die Produktseite nicht.
Die Kennzeichnung nennt die Bedingungen, für die das Gerät geprüft ist. Vier Fragen bleiben bei Ihnen:
Für Nordamerika gilt ein anderes System. Das Beispiel der OSHA in 29 CFR 1910.307 lautet «Class I, Zone 0, AEx ia IIC T6»: Gasgruppe und Temperaturklasse haben dieselben Zeichen, der Rest nicht. Die Angaben dazu stehen im Beitrag zu IECEx und Class/Division. Grenzen dieses Beitrags: Die Normtexte IEC 60079-0, -11 und -28 sind kostenpflichtig, wir haben sie nicht gelesen. Die Angaben dazu stammen aus der Richtlinie, dem INERIS-Plakat und NSW TestSafe. Für die verbindliche Auslegung gelten die Normen. Eine Branchenübersicht zu den Anforderungen im Industrieumfeld gibt die Seite Industrie.
Kategorie 3 nach Anhang I der Richtlinie 2014/34/EU: Geräte für Bereiche, in denen nicht damit zu rechnen ist, dass eine explosionsfähige Atmosphäre auftritt, und wenn doch, nur selten und kurz. Sie entspricht Zone 2 für Gas und Zone 22 für Staub.
Nein. Gc ist das niedrigste der drei Gasniveaus und gehört nach dem INERIS-Plakat zu Zone 2. Zone 1 verlangt Gb, Zone 0 verlangt Ga.
Das erste ist das Explosionsschutzkennzeichen der Richtlinie, gefolgt von Gruppe und Kategorie. Das zweite eröffnet die normative Kennzeichnung nach IEC 60079 mit Zündschutzart, Gruppe, Temperatur und Schutzniveau.
Nein. IIC beschreibt die Zündenergie, T4 die Oberflächentemperatur. Ein Gas mit einer Zündtemperatur unter 135 °C, wie Schwefelkohlenstoff mit 90 °C, braucht nach der Rechnung oben eine höhere Klasse. Die Gasliste am Einsatzort prüft die Fachkraft.
Wer Zone 2/22 mit Gasen bis zur Gruppe IIC und Stäuben bis IIIC abdecken muss, findet die vollständige Kennzeichnung beim Getac F110-EX, K120-EX, UX10-EX und ZX80-EX. Sie wählen dann nach Display und Temperaturbereich, nicht nach der Zeile. Beim Getac T800 EX ATEX und beim EX80 können wir die Kennzeichnung nicht auflösen, weil unsere Unterlagen sie nicht nennen. Das EX80 ist das einzige Gerät mit Zone 0/20. Wer dafür eine Auflösung Zeichen für Zeichen braucht, holt sie beim Hersteller ein. Für Zone 1/21 führt keines der sechs Geräte eine Angabe. Bei der Zuordnung von Zone, Gruppe und Temperatur zu Ihrem Einsatzbereich unterstützt Sie das RobustBook-Team gerne.