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Semi-rugged oder fully rugged: Wann ein halbrobustes Notebook reicht

„Semi-rugged“ und „fully rugged“ stehen auf Produktseiten, in Ausschreibungen und in Händlerlisten, aber in keiner Norm. Die IEC 60529 legt fest, wie eine IP-Stufe geprüft wird, und MIL-STD-810 beschreibt Prüfverfahren für Fall, Vibration und Klima. Eine Geräteklasse benennt keine der beiden. Wer ein Notebook nach dem Etikett auswählt, vergleicht deshalb Marketingbegriffe. Sinnvoller ist der Blick auf die Werte dahinter. Dieser Beitrag legt die Daten aller 13 Notebooks im Bestand nebeneinander, zeigt, welche Werte die beiden Klassen tatsächlich trennen, und nennt die Einsätze, für die ein halbrobustes Notebook genügt. Die Grundlagen zu IP-Stufen erklärt der Überblick IP-Schutzklassen. Hier geht es um die Entscheidung.

Wie Hersteller die beiden Begriffe verwenden

Getac kennt auf seiner Website zwei Kategorien, fully rugged und semi-rugged. Für semi-rugged nennt der Hersteller in seinem Ratgeber eine Fallfestigkeit von 3 Fuß (rund 0,9 m), die Schutzart IP53 und mindestens 800 Nits Helligkeit für das Ablesen im direkten Sonnenlicht. Als Beispiel führt der Ratgeber das Modell S410. Fully rugged bedeutet bei Getac nach dem Beitrag zu „fully-rugged vs. ultra-rugged“: MIL-STD-810H, IP66 oder höher und ein Fall aus 4 bis 6 Fuß (1,2 bis 1,8 m). Den Begriff „business-rugged“ benutzt Getac nach eigener Aussage nicht, weil er keine einheitliche Definition hat.

Das sind die Schwellen eines Herstellers. Durabook nennt auf seinen Produktseiten das S14I und das S15 „Semi-Rugged Laptop“ und das Z14I „Fully Rugged Laptop“. Für S14I und S15 gibt Durabook eine Fallfestigkeit von 4 Fuß (1,2 m) an, für das Z14I 6 Fuß (1,8 m). Ein Durabook mit dem Etikett „semi“ übersteht laut Produktseite also einen höheren Fall als Getacs Schwelle für semi-rugged. Die Etiketten sind zwischen den Marken nicht austauschbar. Auf den Produktseiten von Getac S410 und S510 kommt keines der beiden Wörter vor, bei B360, X600 und V120 steht dort „fully rugged“.

Die 13 Notebooks im Bestand nebeneinander

Die Tabelle ordnet alle 13 Notebooks nach der Schutzart. IP, Temperatur und Gewicht stammen aus der Kerndatentabelle der Datenblätter, die Fallhöhe aus der Beschreibung auf der jeweiligen Produktseite, weil die Kerndaten sie nicht führen. Wo dort keine Zahl steht, steht „nicht belegt“. Eine Übersicht mit weiteren Spalten bietet die Seite Outdoor Laptop, die Vergleichstabelle Laptops enthält zusätzlich Helligkeit und Akkulaufzeit.

NotebookSchutzartFallhöhe laut ProduktseiteBetriebstemperaturGewicht
Getac S410 G5IP530,9 m-29 °C bis 63 °C2,38 kg
Getac S510IP530,9 m-29 °C bis 63 °C2,35 kg
Durabook S14IIP531,2 m-29 °C bis 63 °C2,37 kg (variiert je nach Konfiguration)
Durabook S15IP53 (optional)1,2 m-20 °C bis 60 °C2,6 kg
Durabook S15ABIP5X0,9 mnicht belegtca. 2,6 kg
Fieldbook RC300IP651,22 m-20 °C bis +60 °C2,1 kg
Getac V110 G7IP65nicht belegt-29 °C bis 63 °Cca. 2,1 kg
Getac X500IP65nicht belegt-20 °C bis +60 °Cca. 5,2 kg
Getac X500 ServerIP65nicht belegtnicht belegtnicht belegt
Getac V120IP66nicht belegt-29 °C bis 63 °C2,1 kg
Getac B360 G3IP661,8 m-29 °C bis +63 °C2,32 kg
Durabook Z14IIP66nicht belegt-29 °C bis 63 °C3,6 kg (variiert je nach Konfiguration)
Getac X600IP661,2 m-29 °C bis 63 °C4,41 kg (je nach Konfiguration)

Zwei Lücken lassen sich mit Herstellerseiten schließen, die wir am 20.10.2026 abgerufen haben: Durabook nennt für das Z14I 6 Fuß (1,8 m), Getac für das V120 4 Fuß (1,2 m). Beim X600 nennt das Getac-Datenblatt (Stand 06.08.2026) 4 Fuß (1,2 m), für die Variante Pro-PCI dagegen 3 Fuß (0,9 m). Unsere Produktseite führt jetzt 1,2 m.

Was die Zahlen trennen und was nicht

Die Schutzart sortiert die 13 Geräte am klarsten. Vier tragen IP53, eines IP5X, vier IP65 und vier IP66. Alle Geräte, die ihr Hersteller auf der eigenen Seite „fully rugged“ nennt, liegen bei IP66: Getac B360, X600 und V120 sowie das Durabook Z14I. Alle drei Geräte mit dem Etikett „semi“ (Getac S410, Durabook S14I und S15) liegen bei IP53. Wie dünn dieses Fundament bei Sprühwasser ist, zeigt der Beitrag IP53 im Detail.

Der Temperaturbereich trennt die Klassen nicht. S410, S510 und S14I arbeiten bei -29 °C bis 63 °C, genau wie V120, B360 G3, X600, Z14I und V110 G7. Enger ist der Bereich nur beim S15, beim Fieldbook RC300 und beim X500 mit -20 °C bis 60 °C. Auch das Gewicht ordnet nicht nach Klasse. Das V120 mit IP66 wiegt 2,1 kg und das B360 G3 mit IP66 wiegt 2,32 kg, beide weniger als jedes Gerät mit IP53 (2,35 bis 2,6 kg). Schwer sind X500, X600 und Z14I mit ca. 5,2 kg, 4,41 kg und 3,6 kg. Die Helligkeit gehört ebenfalls nicht zur Klasse: S410 und S510 haben serienmäßig 1000 Nits, das Fieldbook RC300 mit IP65 nur 700 Nits und das X500 800 Nits.

Die Fallhöhe liegt dazwischen. Sie beträgt 0,9 m bei S410, S510 und S15AB, 1,2 m beim S14I und S15 und 1,8 m beim B360 G3. Die Linie zwischen den Klassen verläuft hier nicht eindeutig: 1,2 m tragen laut Hersteller sowohl die beiden Durabook mit dem Etikett „semi“ als auch das Getac V120 mit dem Etikett „fully“. Was ein Fallprüfaufbau nach MIL-STD-810 aussagt und was nicht, steht im Beitrag Fallschutz nach MIL-STD-810.

Eine zweite Trennlinie liefert die elektromagnetische Verträglichkeit. Sieben der 13 Notebooks erfüllen zusätzlich MIL-STD-461G: Z14I, B360 G3, V110 G7, V120, X500, X500 Server und X600. Alle sieben haben IP65 oder IP66, keines der Geräte mit IP53 oder IP5X ist darunter. Brauchen Sie diese Prüfung, etwa neben Funktechnik oder Messelektronik, scheiden die halbrobusten Modelle aus.

Die Grauzone: vier Notebooks mit IP65

Das Fieldbook RC300, das Getac V110 G7, das X500 und der X500 Server liegen zwischen den Lagern. IP65 schützt gegen Strahlwasser aus jeder Richtung, IP66 gegen starkes Strahlwasser. Getacs Definition von fully rugged verlangt IP66 oder höher, die drei Getac-Geräte erreichen sie nicht. Wie Getac V110 und X500 einordnet, haben wir nicht geprüft, für das X500 gibt es kein Herstellerdatenblatt mehr. Für Ihre Entscheidung zählt ohnehin die Frage, ob Strahlwasser Ihren Alltag trifft, und nicht das Etikett.

Wann ein semi-rugged Notebook reicht

Aus den Zahlen folgt unsere Einschätzung, keine Normaussage. Ein halbrobustes Notebook mit IP53 genügt, wenn alle diese Punkte zutreffen:

Dann bieten Getac S410 G5 und S510 sowie Durabook S14I und S15 den Datenstand, den die Aufgabe braucht, bei 2,35 bis 2,6 kg und, bis auf das S15, mit -29 °C bis 63 °C. Beim S15 hängt IP53 an einer Option und muss im Angebot ausgewiesen sein. Das Durabook S15AB führt nur IP5X, also keine Aussage zu Wasser, und hat kein aktuelles Herstellerdatenblatt mehr, weil Durabook für dieses Modell keine eigene deutsche oder englische Produktseite führt.

Wann es fully rugged sein sollte

Schon ein einziger der folgenden Punkte spricht gegen IP53:

Dafür sind Getac B360 G3 (1,8 m, IP66, 2,32 kg) und Getac V120 (IP66, 2,1 kg) die leichten Geräte, das Durabook Z14I und das Getac X600 die schweren Arbeitsstationen. Der Gewichtsunterschied zwischen B360 G3 und Z14I beträgt 1,28 kg bei gleicher Schutzart. Wie sich die Marken gegenüber Panasonic einordnen, beschreibt der Beitrag Toughbook-Alternativen.

Häufige Fragen

Ist ein semi-rugged Notebook wasserdicht?

Nein. IP53 deckt Sprühwasser bis 60° von der Senkrechten ab. Strahlwasser und Untertauchen sind nicht geprüft.

Übersteht ein fully rugged Notebook jeden Sturz?

Nein. Die Herstellerangaben nennen konkrete Höhen: 1,8 m beim B360 G3, 1,2 m beim V120. Für Stürze darüber liegt kein Beleg vor.

Woran erkenne ich im Angebot, welche Klasse ein Notebook hat?

Nicht am Etikett. Fragen Sie nach der Schutzart der angebotenen Konfiguration, nach der Fallhöhe und dem Betriebszustand beim Test, nach dem Temperaturbereich und nach den Normen mit Revision, also MIL-STD-810H oder 810G.

Welches der 13 Notebooks ist am leichtesten?

Das Fieldbook RC300 und das Getac V120 wiegen laut Datenblatt 2,1 kg, das Getac V110 G7 ca. 2,1 kg. Das V120 hat dabei IP66.

Wer welches Notebook nehmen sollte

Wer überwiegend trocken arbeitet und ein 14-Zoll- oder 15,6-Zoll-Gerät sucht, ist mit S410 G5, S510 oder S14I gut bedient. Wer Wasser vom Schlauch oder Stürze über 1,2 m einplant, wählt B360 G3 oder V120. Wer zusätzlich EMV-Prüfung und viel Rechenleistung braucht, schaut auf Z14I und X600. Die Klasse allein entscheidet nichts. Wichtiger sind Schutzart, Fallhöhe und die Frage, ob Sie MIL-STD-461G brauchen.

Für zwei Einsätze passt keines der 13 Notebooks: das Untertauchen, denn keines führt IP67 oder IP68, und die Hochdruckreinigung, denn keines führt IP69K. Vorher klären sollten Sie, für welche Konfiguration der Prüfbericht gilt, ob die Fallhöhe im Betrieb gemessen wurde und welche Generation geliefert wird. Eine Gesamtübersicht bietet die Vergleichstabelle Laptops.